Eine junge Frau sitzt auf einem Gipfel und schaut über die Berge

Dein Telefon klingelt, die Kollegin hat gerade eine Frage gestellt, das nächste Meeting beginnt in sieben Minuten und du kommst heute Morgen nicht dazu, deine E-Mails zu lesen. Geschweige denn, sie zu verstehen oder zu beantworten. Jedes Mal, wenn du eine Aufgabe erledigt hast, kommen zwei neue hinzu. Du fühlst dich wie der berüchtigte Hamster im Rad: Du rennst, und rennst, und rennst – und kommst nicht zum Ziel.

Das ist nicht nur frustrierend. Auf Dauer wirkt sich dieser Stress negativ auf Motivation, Lebensfreude und Gesundheit aus. Wir fühlen uns wie abgetrennt von unserem eigentlichen Leben. Wir spüren uns selbst nicht mehr und wissen nicht, wozu wir hier sind.

Selbstoptimierung als Trend

Unser Denken und Empfinden sind aktivitätsgetrieben. Wir sind perfekt darin, Dinge zu erledigen. „Getting things done“, das ist das Credo unserer Zeit. Es muss immer weiter gehen, schneller werden, noch effizienter, noch größer. Von Schulbeginn an werden wir gemessen, verglichen und bewertet. Wir werden darauf getrimmt, Leistung zu bringen. Wir bestehen Prüfungen oder wir fallen durch. Mit den Ergebnissen bewerben wir uns und werden schon wieder verglichen und bewertet. Wir machen schneller, höher, weiter. Müssen besser werden. Besser sein. Und immer schneller Antworten finden.

Dein Sein bleibt auf der Strecke

In anderen Worten: Das ganze „weiche Zeug“, das sich nicht messen und bewerten lässt, fällt dabei hinten herunter. Damit fehlt ein wichtiger Teil in unserem Leben: Das, was uns Freude macht, unserem Leben einen Sinn gibt. Es gibt Momente, da fühlen wir uns ausgebrannt, da möchten wir nichts sehnlicher, als dieses verrückte Laufrad anhalten, aussteigen. Wozu eigentlich? Um den Moment zu genießen. Welchen Moment? Den Moment, im eigenen Tempo auf einen Berg zu wandern. Ohne Jumping-Bild, Eintrag im Gipfelbuch, Post auf Instagram oder Live-WhatsApp Chat vom Gipfel. Einfach nur so, um die Stille und Natur zu spüren: Ruhe – und Bewegung, Sonne – und Regen, Windstille – und Wind. Auf einem bequemen Stein sitzen und in die Weite schauen. Die Stille spüren. Den eigenen Atem hören. Nur im Moment sein. In diesem Moment. Und in diesem Moment. Mehr nicht.

Die Balance finden zwischen „Co“ und „Active“

Im Co-Active Coaching steht „Co“ für das Sein. „Active“ symbolisiert alles, was wir tun. Das sind die Listen, die wir abarbeiten, das Messbare, womit wir uns leicht mit anderen vergleichen. Ein Grundsatz ist: „When the Co and the Active go together, the action of our life is nourishing and fulfilling.” (Kimsey-House). Das bedeutet: Wenn es uns gelingt, beide Seiten, das Sein und das Tun, miteinander zu verbinden, fühlt sich unser Leben stimmig und erfüllend an.

Wie machst du das am besten? Du kannst dir zum Beispiel drei Fragen stellen: Was macht mir Spaß? Was ist einer meiner Lieblingsplätze? Wo kann ich langsam(er) machen?

Was macht dir Spaß?

Manchmal wissen wir nicht mehr, was uns Freude bereitet – so sehr hat uns der Alltag im Griff. Was machst du, wenn du dir etwas Gutes tust? Die Antwort auf diese Frage ist individuell wie wir Menschen. Ich liebe es, die Füße hochzulegen und zu lesen, bin gerne draußen in der Natur, koche und backe gerne. Vor Kurzem habe ich endlich mal wieder Hefezopf und Zimtschnecken gebacken – und das ganz bewusst. Mir macht das Freude, weil ein Hefeteig seine Zeit braucht, die Gerüche wunderbar sind und ich das Ergebnis mit anderen teilen kann.

Was ist einer deiner Lieblingsplätze?

Ich behaupte, wir haben alle einen. Den Platz, an dem es sich für uns richtig anfühlt:

  • die Lichtung im Wald
  • unter dem blühenden Kirschbaum im Garten
  • auf einem Berg
  • eine Wiese am See
  • mit nackten Füßen am Meer
  • mit dem Rücken an einer warmen Holzwand

Oft haben wir es vergessen, wo das ist. Manchmal reicht es schon, diese Frage mitzunehmen und mit offenen Sinnen unseren Lieblingsplatz zu finden. Ist er weit weg, können wir ihn uns mit Hilfe unserer Fantasie herholen. Ist er in der Nähe, gönnen wir uns kleine Auszeiten an unserem Lieblingsplatz.

Wo kannst du langsam(er) machen?

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas im Alltag langsam und bewusst zu machen:

  • Treppe statt Fahrstuhl
  • Fahrrad statt Auto
  • abspülen statt Spülmaschine
  • einen Kaffee trinken mit Kollegen und nichts Wichtiges besprechen
  • in der Kantine bewusst nicht über die Arbeit reden

Wenn mein Alltag pickepackevoll ist, genieße ich ganz bewusst meine Spaziergänge. Ich gehe langsam, ohne konkretes Ziel. Ich lasse meinen Hund Timber in aller Ruhe schnüffeln. Schaue mich auf den vertrauten Wegen um: Ein markanter Baum, hübsches Moos, die Schlüsselblume am Wegesrand, ein alter Baumstamm. Ich achte auf die Luft, das Licht, die Gerüche, die Waldgeräusche. Ich setze mich auf eine Mauer im Weinberg und schaue auf die Rheinebene. Es ist egal, wie weit ich auf einem Spaziergang komme, Zeit braucht das so oder so. Dann kann ich in dieser Zeit auch einen Gang herunterschalten.

Inspirationen gewünscht? Dann kommentiert oder sprecht mich an. Ich freue mich darauf!

Für das wunderbare Foto, das die Balance zwischen „Co“ und „Active“ so treffend wiedergibt, bedanke ich mich bei Tamara Emo. Es darf selbstverständlich weder kopiert noch vervielfältigt werden.

Was ist Selbstoptimierung?

„Selbstoptimierung meint aktuell denn auch weniger die radikale Verwandlung zu einem Neuen oder einem perfekten Menschen, sondern einen kontinuierlichen Veränderungsprozess in verschiedenen Bereichen des Lebens. […] Die Optimierung des Selbst gestaltet sich dabei für die meisten Menschen eher Schritt für Schritt und zeichnet sich gerade nicht durch technische, chemische oder genetische Optimierung aus, sondern durch kleine Modifikationen der alltäglichen Lebensführung hin zu einem glücklicheren, fitteren oder gesünderen Leben.“ (Duttweiler)

Stopp dein Hamsterrad! Wer willst du sein?

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