Mach was du willst! Wie wir Design Thinking für unser Leben nutzen

Wusstet ihr, dass Räuber Hotzenplotz einmal darüber nachdachte, den Beruf zu wechseln? Nein? Hat er aber! Warum und wann er das tat – die Auflösung findet ihr am Ende dieses Blog-Artikels. Denkt ihr wie der Räuber Hotzenplotz gelegentlich darüber nach, euch beruflich zu verändern? Oder begleitet ihr Menschen in solchen Prozessen? Dann findet ihr hier einen schönen Leseimpuls.

Ein paar ernüchternde Zahlen: Der Gallup Engagement Index ist eigenen Angaben zufolge Deutschlands umfangreichste Studie zur Arbeitsplatzqualität. Seit 2001 untersucht Gallup, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern an ihren Arbeitgeber ist. Und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit. In ihrer aktuellen Engagement-Index-Studie 2018 fanden sie heraus: Fünf Millionen Arbeitnehmer (14%) haben innerlich gekündigt und besitzen keine emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen. Drei von vier Beschäftigten (71%) machen Dienst nach Vorschrift. Die innere Kündigung von Mitarbeitenden verursacht dabei Schätzungen zufolge volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von bis zu 103 Milliarden Euro.

Wie kuschelig ist es in unserer Komfortzone?

Die Zahlen sprechen dafür, dass wir eher bereit sind, in unserer Komfortzone auszuharren, als einen Schritt hinaus in die riskantere Wachstumszone zu wagen. Hinzu kommt unser tägliches Erleben: Die Job-Sicherheit nimmt ab, Befristungen steigen. Change-Prozesse erfolgen in immer kürzeren Abständen. Die Folgen: Einige Menschen sind unzufrieden mit ihren neuen Rollen, fühlen sich über- oder unterfordert, oder sie verlieren ihren Arbeitsplatz. Durch Kündigungen im kollegialen Umfeld steigt der Druck und die eigene Arbeit wird immer mehr verdichtet. Oder Firmenziele und eigene Ziele laufen auseinander, die Unternehmenskultur ändert sich und passt nicht mehr zu den eigenen Werten.

Zwischen Beruf und Berufung

Trotz oder gerade deswegen gibt es Menschen, die fragen sich: War das wirklich alles? Halte ich das durch bis zur Rente? Welchen Sinn hat meine Arbeit? Wie finde ich mein Gleichgewicht zwischen Beruf und Familie? Wo kann ich mehr bewirken? Für diese Menschen haben die Autoren Bill Burnett und Dave Evans mit dem New York Times Best Seller „Mach was Du willst! Design Thinking für´s Leben“ ein wunderbares Buch geschrieben. Das Thema ist nicht neu und wir werden damit täglich auf allen Social Media Kanälen konfrontiert: Es geht um ein Leben, das sowohl sinnvoll als auch erfüllend ist. Unabhängig davon, wer wir sind, wo wir leben, was wir beruflich machen oder in welcher Phase wir uns befinden. Die Autoren nutzen Methoden, die wir aus dem Design Thinking kennen. Sie nennen ihre Herangehensweise „Life Design“. Die Prinzipien des Design Thinking kennen wir aus der Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen. Design Thinking hilft, kreative Prozesse, Teamspirit und „out of the box thinking“ freizusetzen. Das ist die Basis, auf der Burnett und Evans Methoden und Werkzeuge für Phasen der beruflichen Veränderung entwickeln. Faszinierend finde ich, mit welcher Leichtigkeit sie uns durch schwierige Fragestellungen begleiten. Ihre wertschätzende, im Ergebnis offene Haltung zieht sich durch das gesamte Buch und hat für mich das Lesen zu einem besonderen Genuss gemacht.

Fünf einfache Denkweisen, die uns helfen, wenn wir über Veränderungen nachdenken

Das sind Grundprinzipien, die wir aus dem Coaching kennen und welche die beiden Autoren als „Designwerkzeuge“ so schön auf den Punkt bringen:

  • Neugierde: Sei neugierig! Neugier hat eine spielerische Qualität. Neugier lässt uns alles neu sehen, Interessantes entdecken. Neugier ist der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Denn mit ihr sehen wir Chancen – und nicht mehr nur die Probleme.
  • Handlungsneigung: Probiere Dinge einfach aus! Wenn wir handeln, können wir nicht gleichzeitig feststecken. Wir widmen uns dem Handeln und weniger unseren Sorgen, unserem Grübeln oder dem ständigen Suchen nach Lösungen. Mit Handlungsneigung bleiben wir entschlossen, unseren Weg zu finden und zu bauen.
  • Reframing: Suche dir einen neuen Deutungsrahmen für deine Herausforderungen. Reframing heißt nichts anderes, als Blockaden zu lösen und die Perspektive zu wechseln. Welche Perspektive nehme ich bisher ein? Welche Perspektiven gibt es noch? Welche wähle ich für mich?
  • Achtsamkeit: Das Leben ist ein Prozess. Das bedeutet, du bleibst in diesem Moment, lässt dein Ziel in der Ferne los und wirst dir wieder des Prozesses bewusst. Du lässt dich nicht frustrieren oder verwirren und gibst nicht auf. Fehler werden passieren, manchmal geht es zwei Schritte vor und einen zurück. Ist das, worüber du gerade nachgrübelst, wirklich wichtig für den Schritt, mit dem du gerade beschäftigt bist? Was passiert, wenn du ab heute nicht mehr als einen Schritt voraus denkst?
  • Radikale Kooperation: Bitte andere um Hilfe! Du musst deinen Weg nicht allein gehen. Finde Unterstützer, denn für richtig gute Ideen braucht es Vielfalt. Viele der besten Ideen werden von anderen Menschen kommen – wir müssen sie nur einbeziehen und fragen.

Und falls du dich jetzt fragst, was deine Berufung ist und vielleicht zögerst … Fang gleich damit an, mach den ersten Schritt und praktiziere „Radikale Kooperation“ Ab in die Kommentare mit deinen Gedanken. Denn für die richtig guten Ideen braucht es auch die anderen, ihre Vielfalt und die Kreativität der Kooperation.

Bild: Jürgen Klotzbücher, Wegweiser auf dem Weg zur Ljosodalshytta (Norwegen), Lizenz CC BY-ND (Namensnennung, keine Bearbeitung)


Als der Räuber Hotzenplotz darüber nachdachte, seinen Beruf zu wechseln

„Der Räuber Hotzenplotz nahm es mit seinem Beruf sehr genau. Im Sommer stand er wochentags immer pünktlich um sechs Uhr auf, und spätestens um halb acht verließ er die Räuberhöhle und ging an die Arbeit. Auch heute lag er seit acht Uhr morgens hinter den Ginsterbüschen am Waldrand auf der Lauer und beobachtete durch sein Fernrohr die Landstraße. Aber inzwischen war es halb zehn geworden und noch immer hatte er keine Beute gemacht. „Schlechte Zeiten“, schimpfte der Räuber Hotzenplotz. „Wenn das so weitergeht, muss ich mich allmählich nach einem anderen Beruf umsehen. Die Räuberei bringt auf Dauer zu wenig ein, und anstrengend ist sie außerdem!“ (Otfried Preußler, Der Räuber Hotzenplotz, Band 1, 74. Auflage, S. 23).

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