Ich bleibe von ganzem Herzen Buchhändlerin!

Tür zu einem früheren Wartezimmer des Bahnhofs zwischen zwei vollen Bücherregalen mit gebrauchten Büchern.
19. November 2021

Als Vanessa Meier* zum Coaching kam, war sie sehr traurig. Traurig darüber, dass ihr Vorgesetzter ihre wertvolle Arbeit nicht würdigte, ihre Kolleginnen ihr immer mehr Aufgaben aufdrängten und ihre Aushilfe unzuverlässig war. Ihr Leben als Buchhändlerin war perspektivlos geworden und fühlte sich schwer an. Sie schleppte sich nur noch jeden Morgen zur Arbeit und wünschte sich wieder mehr Leichtigkeit in ihrem (Berufs-)leben. Obwohl sie eigentlich in ihrem Traumjob arbeitete.

Vanessa buchte im Zeitraum von drei Monaten fünf Einzelcoachings per Video sowie eines meiner Online-Coaching-Programme. In dieser Zeit nahm sie einen radikalen Perspektivwechsel vor, der zum Zeitpunkt unseres Gesprächs, fast 12 Monate später, noch deutlich spürbar ist. Heute fühlt sie sich wieder wohl bei ihrer Arbeit und nutzt aktiv Freiräume zur Gestaltung ihres Arbeitsplatzes: „Ich kann jedem ein Coaching empfehlen, der sich in einer Sackgasse befindet. Das Coaching brachte mir mehr Leichtigkeit, mehr Freude, mehr Gelassenheit, mehr Freisein.“

Wie Vanessa es geschafft hat, wieder mehr Leichtigkeit in ihr (Berufs-)leben zu bringen und wieder Spaß an ihrer Arbeit als Buchhändlerin zu haben, davon handelt unser Gespräch. Vorab möchte ich nur soviel verraten: Sie ist in ihrem alten (Traum-)job geblieben.

Dieses Interview ist der Auftakt einer Serie von fünf Mutmachgeschichten, die ich in den nächsten Monaten nach und nach veröffentlichen werde. Es sind Geschichten aus meiner Arbeit, die wir, Coach und Coachee, erzählenswert und inspirierend finden. Von Menschen, die sich Unterstützung in herausfordernden Zeiten holten – und erreichten, was sie sich wünschten. Und meist sogar noch mehr.

Vanessas Geschichte handelt von Job-Crafting, der Umgestaltung ihres Arbeitsplatzes aus eigener Initiative, so dass er besser zu ihr passt und sie ihrer Arbeit wieder mit Freude, Gelassenheit und Leichtigkeit nachgehen kann.

Vanessa, welche wichtigen Erkenntnisse und Einsichten hast du in der Zeit unseres Coachings gewonnen?

Ich habe gelernt, für mich einzustehen. Ich kann meinem Chef gegenüber gelassener auftreten. Klar gibt es Situationen, in denen ich auch mal gefrustet bin. Aber mir gelingt es jetzt, mir das bewusst zu machen und mich zurückzuholen und wieder in meine Gelassenheit zu kommen. Früher war das fast unmöglich. Da habe ich Probleme, die im Job aufgetreten sind, mit nach Hause genommen. Ich konnte schlecht abschalten. Was mir heute viel besser gelingt.

Eine weitere Erkenntnis:  Es fällt mir leichter, meinen Kolleginnen Anweisungen zu geben. Ich bin selbstbewusster geworden. Es fühlt sich freier an. Ich konnte im Allgemeinen mehr Leichtigkeit in die Arbeit bringen. Ich gehe jetzt mit einem ganz anderen Gefühl rein. Also ich fühle mich freier, leichter, ich fühle mich selbstbewusster, selbstbestimmter. Da freue ich mich sehr darüber, dass wir das gemeinsam erreicht haben.

Ja, das geht nur gemeinsam. Da kann ich auf der einen Seite ziehen wie ich will als Coach, wenn da auf deiner Seite nichts kommt, kein Mut da ist, mal etwas anderes auszuprobieren und ausgetretene Pfade zu verlassen, dann funktioniert das nicht. Worauf bist du stolz?

Ich bin mächtig stolz, dass mein Auftreten selbstbestimmter geworden ist und es mir auch leichter fällt, in meiner Klarheit zu bleiben.

Woran merkst du, dass es dir leichter fällt?

An bestimmten Situationen, wenn die auftreten. Heute hatte ich zum Beispiel ein Gespräch mit einem Kollegen. Es ist mir aufgefallen, dass ich bei dem geblieben bin, was ich mir vorgenommen hatte. Ich bleibe in meiner Klarheit und lasse mich nicht mehr so leicht abbringen. Ja, das ging früher nicht so einfach. Und heute klappt es gut.

Was war ein Highlight für dich?

Also, das spannendste Highlight für mich war die Vorstellung meiner eigenen Buchhandlung. Ich habe die ja aus Zeitschriften und Magazinen in 3D nachgebaut und dich mit meiner Handykamera darin herumgeführt. Wir haben alles gemeinsam erkundet. Und einiges davon habe ich umgesetzt in der Buchhandlung, in der ich immer noch arbeite. Zum Beispiel meine eigene Buchpräsentation. Ich bin mutiger bei der Auswahl der Titel, die ich auf meinem Büchertisch präsentiere. Da bin ich sehr stolz drauf. Das war das schönste Highlight.

Das hat dir schon beim Vorstellen so viel Freude gemacht. Und es war zauberhaft, wie du mich mitgenommen hast in deine 3D-Buchhandlung, die du so liebevoll gestaltet hast. Ich erinnere mich gut an deinen Miniatur-Büchertisch mit Büchern, die du für deine Kunden ausgesucht hast. Das war ein schönes Zielbild!

Ja, und was ich auch toll fand war, als ich in die Natur gegangen bin und für mich umgesetzt habe, was wir zuvor im Coaching erarbeitet hatten. Um das zu vertiefen und zu verankern.

Weißt du noch, worum es ging?

Wir hatten im Videocoaching verschiedene Perspektiven erkundet. Und ich hatte zwei Jas und zwei Neins mitgenommen. Meine Aufgabe war, mir einen schönen Ort zu suchen, eine Linie zu denken oder zu kennzeichnen, über diese Linie zu gehen und es nochmal auszusprechen: Ich sage Ja zu meiner eigenen Definition meines Arbeitsbereiches. Und Nein zu allem, was mir aufgedrängt wird. Und der andere Aspekt war, wie ich meinem Chef zukünftig mit mehr Leichtigkeit gegenübertrete.

Ich erinnere mich an ein ganz klares Ja von dir: Ich bin Buchhändlerin!

Ich bin und bleibe von Herzen Buchhändlerin, das ist meine Profession, meine Leidenschaft.

Wir haben es in der Theorie erarbeitet. Dann bist du in die Natur gegangen und hast es umgesetzt. Hast du da einen Unterschied gespürt?

Das hat sich einfach besser verankert. Als ich den Schritt über die Linie gemacht habe, habe ich meine Jas und Neins klar ausgesprochen. Und dann hat sich das noch mal verankert in meinem Bewusstsein.

Ja und das ist wichtig. Es sind alte Muster und die machen wir uns im ersten Schritt bewusst. Dadurch, dass du dir selbst ein Versprechen gibst, es durchführst und den Unterschied spürst, kommst du in die Umsetzung. Und ab da fällt es dann leichter.

Wofür bist du dankbar?

Natürlich bin ich sehr dankbar für unsere tolle Zusammenarbeit. Ja, das hat wirklich Spaß gemacht und ich fand es auch schön. Es war zwischendrin auch mal anstrengend. Aber wir haben auch gelacht!

Du hast an einem Online Coaching Programm teilgenommen und zusätzlich weitere 1:1 Coaching gemacht. Wie hast du denn den Unterschied empfunden? Das eine ist ein Gruppenprogramm, ein klar strukturierter Prozess. Das andere ein 1:1 Coaching, das ganz nach deinen Regeln läuft.

Ja, auf das Gruppencoaching konnte ich mich nicht so hundertprozentig einlassen. Ich habe mich auf mein Einzelcoaching konzentriert. In die Tiefe ging es beim 1:1 Coaching.

Gab es denn irgendwelche Enttäuschungen oder irgendwas, wo du sagst, das hätte ich mir noch gewünscht?

Gar nicht, weil wenn ich das sagen könnte, dann würde ich sofort wieder ein Coaching buchen (lacht).

Wie heißt das nächste Kapitel deines Lebens?

Du wirst staunen! Ich erinnere mich, während meines Coachings sind wir zweimal darauf gestoßen. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie wir darauf gekommen sind, aber es ging um das Thema Kinder und Kinderbuch, weil ich etwas für Kinder gemacht hatte. Und in einem Coaching ging es darum, was mein Geschenk ist. Das war ein Buch, ein leeres Buch. Ich konnte in dem Moment nichts damit anfangen. Und stell dir vor, ich habe jetzt angefangen, ein Bilderbuch zu schreiben. Ein Bilderbuch für Kinder! Mehr möchte ich noch gar nicht verraten.

Das ist ja schön. Das heißt, du bist drauf gekommen, dass das ein Wunsch ist, den du für dich hast.

Ja, und irgendwann wird es Formen annehmen. Das habe ich mir vorgenommen, daran weiterzuarbeiten. Immer, wenn ich ein Zeit habe, schreibe ich ein bisschen.

Klasse! Da ist so viel Freude dabei. Manchmal leben wir irgendwas, was uns Spaß macht und es wird dann zu schwer oder zu groß. Und du machst es mit Freude.

Ja, ja, Freude und Leichtigkeit. Weiterhin mit Leichtigkeit. Ich habe mir so viele Gedanken gemacht. Und jetzt gemerkt, dass das gar nicht nötig ist. Ich habe gelernt, damit anders umzugehen.

Wann ist es wieder Zeit, einen Coach an deine Seite zu holen?

Wenn ich mich einer Herausforderung stellen möchte und ich Hilfe brauche. Ich merke ja, wenn es wirklich schwierig wird für mich. Wenn ich denke, da kommst du jetzt allein nicht weiter.

Woran merkst du das?

Wenn ich mich festgebissen habe und einen anderen Blickwinkel brauche, um da wieder herauszukommen. Oder wenn ich mich im Kreis drehe und einfach merke, ich komme nicht weiter. Ich komme nicht voran, stecke fest, es ändert sich nichts an meiner Situation.

Was möchtest du zum Abschluss noch sagen?

Ich kann jedem ein Coaching empfehlen, der sich in einer Sackgasse befindet. Das Coaching brachte mir mehr Leichtigkeit, mehr Freude, mehr Gelassenheit, mehr Freisein. Ich habe mich auf jeden Fall freier gefühlt. Weil ich mir ja auch Sachen von der Seele gesprochen habe.

Weil du es selbst ansprichst: Sachen von der Seele sprechen. Was hast du als besonders wirkungsvoll empfunden?

Dass wir auch in die Tiefe gegangen sind und ich die direkte Beziehung zu meinem Arbeitgeber mit dir besprechen konnte.

Interesse geweckt?

Hier trägst du dich in meinen E-Mail-Verteiler ein. Fragst du dich, ob dir ein Coaching etwas bringen kann? Dann bewerbe dich einfach für ein kostenloses Schnuppercoaching!

Herzliche Grüße aus der Sommergasse in Weinheim, bis bald!
Kathrin

Hintergrund: Job Crafting heißt, deinen Arbeitsplatz so zu gestalten, dass er besser zu deinen Vorstellungen und Fähigkeiten passt. Du kannst dir interessantere Aufgaben suchen, dich besser abgrenzen, deine Beziehungen im Team stärken, oder eine andere Sicht auf einzelne Aspekte deiner Arbeit finden. Das führt zu einer höheren Motivation und mehr Zufriedenheit.

Mehr Informationen findest du hier: Das Dossier Psychologie Heute: Veränderung im Beruf (2022, 01): Was der Arbeitsplatz zu bieten hat. Job Crafting: Man kann sich selbst ändern, aber auch die Aufgaben anpassen. Ein Interview mit Arbeitspsychologin Tanja Bipp. S. 46/47.

* Coaching ist ein vertraulicher Prozess. Den Namen habe ich geändert.

Bild: Kathrin Kaschura, privat, Lizenz CC BY-ND (Namensnennung, keine Bearbeitung)

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