Ein alter Holzfensterladen mit Tulpenausschnitt symbolisiert blinden Fleck im Selbstbild

Was wissen Sie über sich? Wie gut kennen Sie Ihre Wirkung auf andere? In diesem Coaching Tapa lesen Sie, was es mit dem berühmten blinden Fleck auf sich hat. Sie lernen das Johari-Fenster kennen und bekommen eine Übung, die Ihre Fremdwahrnehmung schärft und Ihren blinden Fleck verkleinert.

Für ein stimmiges Selbstbild zählen zwei Perspektiven: Die Innenperspektive, mein Selbstbild, beinhaltet alles, was ich über mich weiß. Die Außenperspektive, das Fremdbild, umfasst alles, was meine Mitmenschen über mich wissen. Die Einschätzung des Selbstbildes ist bei den meisten Menschen gut, kann aber nicht vollständig sein. Unser Umfeld weiß Dinge, die uns nicht bewusst sind, weil wir sie nicht wahrnehmen. Je größer die Übereinstimmung von Fremd- und Selbstbild ist, desto weniger Reibereien gibt es in Teams, desto weniger Aufregung habe ich vor Prüfungen, desto gelassener bleibe ich im Stress.

Schauen wir uns das mit Hilfe eines grafischen Modells an, dem Johari-Fenster. Die beiden US-amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham haben es in den 1950er Jahren entwickelt. Es erklärt Unterschiede der Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie den berühmten blinden Fleck. Das ist das, was wir über uns nicht wissen, aber von anderen erfahren können. 

Autor: Schlauer Emu, CC BY-SA 4.0, Quelle

Wofür stehen die vier Fenster?

Das Johari-Fenster setzt sich aus vier Bereichen zusammen. Diese stehen jeweils für eine unterschiedliche Kombination von Selbst- und Fremdwahrnehmung. Wenn der Anteil eines Fensters größer wird, wird der eines anderen kleiner.

Die Bereiche im Einzelnen: 

  • Öffentliche Person: Das freie, offene und sichtbare Handeln
    Hier stimmen Selbst- und Fremdbild überein. Dieses Fenster enthält, worüber ich mir klar bin und was auch andere von mir wissen. In diesem  Bereich ist mein Handeln frei und selbstbewusst. Je mehr ich bereit bin, von mir mitzuteilen, desto größer wird meine öffentliche Person. Umso stressfreier ist meine Kommunikation. Denn ich muss weniger Energie investieren, um meine Geheimnisse vor anderen zu bewahren.
  • Mein Geheimnis: Nur ich weiß es – und verberge es
    Was ein Mensch über sich selbst weiß, anderen aber unbekannt ist. Das kann gezielt passieren, weil ich nicht möchte, dass bestimmte Informationen über mich die Runde machen oder meine Schwächen von anderen erkannt werden. Wie groß dieser Bereich ist, hängt davon ab, wie sehr ich anderen Menschen vertraue. Wenn ich vertrauten Menschen meine Geheimnisse mitteile, wird meine öffentliche Person größer.
  • Blinder Fleck: Meine Wirkung auf andere
    Alle Anteile, die andere Menschen wahrnehmen, ich selbst aber nicht. Hier spielt Körpersprache eine große Rolle. Sende ich nonverbal Signale, die nicht zu meinem Gesagten passen, führt das zu Herausforderungen in der Kommunikation. Es wird als nicht stimmig wahrgenommen und hinterfragt. Der blinde Fleck wird kleiner, wenn wir uns ehrlich Feedback geben lassen. Voraussetzung ist, dass dieses Feedback konstruktiv ist. Durch Feedback wird meine öffentliche Person größer.
  • Unbekanntes: Ist weder mir noch anderen bewusst
    Die Eigenschaften, die weder ich selbst kenne, noch die anderen. Das können bisher unentdeckte Talente sein wie ein Naturtalent im Jodeln. Unbekannte Anteile lerne ich kennen, wenn ich zum Beispiel mal etwas ganz Neues wage, Fortbildungen besuche, ein Coaching oder eine Therapie mache.

Wie Sie Ihren blinden Fleck verkleinern

Neugierig geworden? Jetzt sind Sie dran! Je mehr ich über mich weiß, desto besser kann ich mich einschätzen und meine Persönlichkeit entwickeln. Wenn ich Anteile meines blinden Flecks kenne, kann ich gezielt an ihrer Veränderung arbeiten. Darum ist konstruktives Feedback so wertvoll. 

Am besten holen Sie in dieser Übung zum Johari-Fenster gleich mehrere unterschiedliche Fremdbilder ein. Bitten Sie drei Menschen, die Sie gut kennen, um ein ehrliches, wohlwollendes Feedback. Das Interview dauert in etwa 30 Minuten. 

  1. Was kann ich richtig gut?
  2. Wie mache ich das?
  3. Wo siehst du meine Begeisterung?
  4. Wie ist meine Wirkung auf andere?
  5. Was wünscht du dir für mich?

Wie läuft das Interview ab?
Sie stellen die erste Frage und die ausgewählte Person denkt über Sie nach. Sie hören genau hin. Das tun Sie als Beobachter: Eigene Abwertungen, Kommentare, Einschränkungen oder Diskussionen sind hier nicht zielführend. Sie hören zu, notieren, nehmen das Gesagte als Geschenk an. Fragen zum Verständnis werden gleich geklärt. Dann stellen Sie die nächste Frage und die Person reflektiert über Sie.

Für Ihre Notizen treffen Sie folgende Unterscheidungen:

  1. Was mache ich gut?
    Das sind Ihre Kompetenzen. Verben wie analysieren, organisieren zeigen diese an.
  2. Wie mache ich es?
    Das ist Ihr persönlicher Stil. Adjektive wie zugewandt, exakt oder herzlich beziehen sich auf Ihren Stil.
  3. Was begeistert mich?
    Darin kann Ihr Potenzial liegen.

Jetzt freue ich mich über Ihr Feedback: Was hat Ihnen diese Übung gebracht? Was ist Ihnen bewusst geworden? Wenn Sie da ansetzen und weitermachen möchten, bewerben Sie sich für Ihr kostenloses Erstgespräch bei mir! 

Herzliche Grüße aus der Sommergasse, bis bald!

Kathrin Kaschura

Bild: Jürgen Klotzbücher, privat, Lizenz CC BY-ND (Namensnennung, keine Bearbeitung)


Johari und der blinde Fleck
Markiert in:                 

2 Kommentare zu „Johari und der blinde Fleck

  • 4. Februar 2020 um 11:24
    Permalink

    Hallo Kathrin,
    toller Beitrag mit einer super Übung.
    Liebe Grüße
    Kirsten

    Antworten
    • 4. Februar 2020 um 16:44
      Permalink

      Danke für dein Feedback, Kirsten! Das stimmt, sie ist wunderbar. Die Übung ist stärkend, kann wichtige Gespräche strukturieren helfen und richtet das Augenmerk auf bereits Vorhandenes.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.