Selbstoptimierung oder die Leichtigkeit deines Seins

Wir sehen eine junge Frau von hinten. Sie sitzt auf einem mit Gras bewachsenen Gipfel und schaut über ein Bergpanorama in die Weite.
18. September 2019

Dein Telefon klingelt, die Kollegin hat gerade eine Frage gestellt, das nächste Meeting beginnt in sieben Minuten und du kommst heute Morgen nicht dazu, deine fünfzig neuen E-Mails zu lesen. Geschweige denn, sie zu verstehen oder zu beantworten. Jedes Mal, wenn du eine Aufgabe erledigt hast, kommen zwei neue hinzu. Du fühlst dich sich wie der berüchtigte Hamster im Rad: Du rennst, und rennst, und rennst – und kommst nicht zum Ziel.

Das ist nicht nur frustrierend. Auf Dauer wirkt sich dieser Stress negativ auf deine Motivation, Lebensfreude und Gesundheit aus. Du fühlst dich wie abgetrennt von deinem eigentlichen Leben. Du spürst dich selbst nicht mehr und weißt nicht, wozu du hier bist.

Selbstoptimierung als Trend

Unser Denken und Empfinden sind aktivitätsgetrieben. Wir sind perfekt darin, Dinge zu erledigen. „Getting things done“, das ist das Credo unserer Zeit. Es muss immer weiter gehen, schneller werden, noch effizienter, noch größer. Von Schulbeginn an werden wir gemessen, verglichen und bewertet. Wir werden darauf getrimmt, Leistung zu bringen. Wir bestehen Prüfungen oder wir fallen durch. Mit den Ergebnissen bewerben wir uns und werden schon wieder verglichen und bewertet. Wir machen schneller, höher, weiter. Müssen besser werden. Besser sein. Immer schneller Antworten wissen.

Das Sein bleibt dabei auf der Strecke

In anderen Worten: Das ganze „weiche Zeug“, das sich nicht messen und bewerten lässt, fällt dabei hinten herunter. Damit fehlt ein wichtiger Teil in unserem Leben: Das, was uns Freude bereitet, unserem Leben einen Sinn gibt. Es gibt Momente, da fühlen wir uns ausgebrannt, da möchten wir nichts sehnlicher, als dieses verrückte Laufrad der Selbstoptimierung anhalten, aussteigen. Wozu eigentlich? Um den Moment zu genießen. Welchen Moment? Diesen einen Moment. Den Moment, im eigenen Tempo auf einen Berg zu wandern. Ohne dass jeder Schritt und jeder Höhenmeter vermessen wird, ohne Jumping-Bild, Eintrag im Gipfelbuch, Post auf Instagram oder WhatsApp Chat vom Gipfel. Einfach nur so, um die Stille und Natur zu spüren: Ruhe – und Bewegung, Sonne – und Regen, Windstille – und Wind. Auf einem bequemen Stein sitzen und in die Weite schauen. Die Stille spüren. Den eigenen Atem hören. Nur im Moment sein. In diesem Moment. Und in diesem Moment. Mehr nicht.

Das Hamsterrad der Selbstoptimierung noch heute stoppen

Im Co-Active Coaching steht „Co“ für das Sein. „Active“ symbolisiert alles, was wir tun. Das sind die Listen, die wir abarbeiten, das Messbare, womit wir uns mit anderen vergleichen. Ein Grundsatz im Co-Active Coaching ist: „When the Co and the Active go together, the action of our life is nourishing and fulfilling.” (Kimsey-House). Das bedeutet: Wenn es uns gelingt, beide Seiten, das Sein und das Tun, miteinander zu verbinden, fühlt sich unser Leben stimmig und erfüllend an. Wie machst du das am besten? Eine schnelle Antwort wird das nicht. Nimm dir die drei folgenden Fragen mit, wo auch immer du bist. Du wirst Antworten finden, wo du sie nicht vermutest. Vielleicht hast du auch überhaupt keine Antwort. Das macht nichts, denn auch das ist ein wichtiger Hinweis, den du zum Beispiel in einem kostenlosen Schnuppercoaching adressieren kannst.

Was macht mir Spaß?

Manchmal wissen wir gar nicht mehr, was uns Freude bereitet – so sehr hat uns der Alltag im Griff. Was machst du, wenn du dir etwas Gutes tust? Die Antwort auf diese Frage ist so individuell wie wir Menschen es sind. Ich liebe es, die Füße hochzulegen und zu lesen, bin gerne draußen in der Natur, koche und backe. Vor Kurzem habe ich endlich mal wieder Hefezopf und Zimtschnecken gebacken – und das ganz bewusst. Mir macht das Freude, weil ein Hefeteig seine Zeit braucht, die Gerüche wunderbar sind und ich das Ergebnis mit anderen teilen kann.

Was ist mein Lieblingsplatz?

Ich behaupte, wir haben alle einen! Den Platz, an dem sich unser Leben richtig anfühlt:

  • die Lichtung im Wald,
  • unter dem blühenden Kirschbaum im Garten,
  • auf einem Berg,
  • auf einer Wiese am See,
  • mit nackten Füßen im Meer,
  • mit dem Rücken an einer warmen Holzwand.

Oft haben wir es vergessen, wo das ist. Manchmal reicht es schon, diese Frage mitzunehmen und mit offenen Sinnen unseren Lieblingsplatz zu finden. Ist er weit weg, können wir ihn uns mit Hilfe unserer Fantasie herholen. Ist er in der Nähe, gönnen wir uns kleine Auszeiten an unserem Lieblingsplatz.

Wo kann ich langsam machen?

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas im Alltag langsam und bewusst zu machen:

  • Treppe statt Fahrstuhl,
  • Fahrrad statt Auto,
  • abspülen statt Spülmaschine,
  • einen Kaffee trinken mit Kollegen und nichts Wichtiges besprechen,
  • in der Kantine bewusst nicht über die Arbeit reden.

Wenn mein Alltag pickepackevoll ist, genieße ich ganz bewusst meine Spaziergänge. Ich gehe langsam, ohne konkretes Ziel. Ich lasse meinen Hund Timber in aller Ruhe schnüffeln. Schaue mich auf den vertrauten Wegen um: Ein markanter Baum, hübsches Moos, die Schlüsselblume am Wegesrand, das Eichhörnchen, das Geräusch eines Baches. Ich achte auf die Luft, das Licht, die Gerüche, die Geräusche im Wald. Ich setze mich auf eine Mauer im Weinberg und schaue hinunter auf unsere Rheinebene. Es ist egal, wie weit ich auf einem Spaziergang komme, Zeit braucht das so oder so. Dann kann ich in dieser Zeit auch einen Gang herunterschalten.

Interesse geweckt? Hier trägst du dich in meinen E-Mail-Verteiler ein. Fragst du dich, ob dir ein Coaching etwas bringen kann? Dann bewerbe dich einfach für ein kostenloses Schnuppercoaching

Herzliche Grüße aus der Sommergasse in Weinheim, bis bald!

Kathrin Kaschura

Bild: Für das wunderbare Foto, das die Balance zwischen Co und Active so treffend wiedergibt, bedanke ich mich bei Tamara Emo. Es darf selbstverständlich weder kopiert noch vervielfältigt werden.

Was ist Selbstoptimierung?

„Selbstoptimierung meint aktuell denn auch weniger die radikale Verwandlung zu einem Neuen oder einem perfekten Menschen, sondern einen kontinuierlichen Veränderungsprozess in verschiedenen Bereichen des Lebens. […] Die Optimierung des Selbst gestaltet sich dabei für die meisten Menschen eher Schritt für Schritt und zeichnet sich gerade nicht durch technische, chemische oder genetische Optimierung aus, sondern durch kleine Modifikationen der alltäglichen Lebensführung hin zu einem glücklicheren, fitteren oder gesünderen Leben.“ (Duttweiler)

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